Update aus Rwanda – August 2017

 

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Traumatherapie:

Am 15. Juli endete die dritte Therapieeinheit. Eine Therapie-Einheit dauert immer 6 Monate. In der letzten Einheit hatte die „neue“ Gruppe 3 jeweils zwei Termine pro Monat und die „alten“ Gruppen 1 und 2 jeweils einen Termin pro Monat als Follow Up. Die Frauen haben während der Therapie wieder riesige Fortschritte gemacht. Zu Beginn erschienen viele in dreckiger Kleidung und sehr ungepflegt. Während der Therapie kam es des Öfteren vor, dass eine der Frauen schwer traumatisiert und kaum ansprechbar war. Zu Beginn waren sie nicht in der Lage, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Doch im Verlauf der Therapie haben sich alle Frauen der Gruppe gegenüber geöffnet und sich den anderen anvertraut. Dies hat ihnen geholfen, mit dem Geschehenen umzugehen und zu lernen, ihr Leben aktiv zu gestalten, sich um ihre Kinder zu kümmern und sich nicht von anderen zu isolieren.
Durch die Therapie wurden sich die Frauen sehr vertraut und sehen sich nun als Familie. Dies ist ein wertvolles Geschenk für sie und sie wollen weiterhin als Gruppe zusammen bleiben.

Im August haben wir nun eine neue Therapieeinheit gestartet. Die 1. Gruppe, die nun bereits drei Therapieeinheiten hinter sich hat, wird nun nicht mehr teilnehmen. Die Frauen wurden alle in vorhandene Projekte (hauptsächlich Handarbeitsschule) integriert und arbeiten weiterhin zusammen. Gruppe 2 und 3 haben nun einen Follow-Up Termin pro Monat und Gruppe 4 startet ganz neu mit 16 Frauen mit zwei Terminen pro Monat.

Die Frauen der neuen Gruppe haben alle ein schlimmes Schicksal zu tragen. Besonders schwer hat es eine Frau, die kürzlich Drillinge bekommen hat, und keine Möglichkeit sieht, die Kinder zu ernähren, weil es an allem fehlt. Ihr Mann starb vor kurzem an einer Krankheit. Sie ist sehr verzweifelt und die Kinder sind unterernährt und befinden sich aktuell im Krankenhaus.

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Krankenversicherungen:

Kürzlich haben wir wieder für die bestehenden und die neuen Gruppen die Krankenversicherung für das kommende Jahr abgeschlossen. Insgesamt haben wir für 375 Personen (Frauen aus allen Gruppe plus Familienmitglieder) die Krankenversicherung mit je 4 € bezahlt.
Die Gruppen in Shyorongi und Rusiga sind bereits in der Lage, für ihre Versicherungen selbst aufzukommen.

 

Ziegen:

Die Ziegen entwickeln sich prächtig und durch den Verkauf der Jungtiere können die Frauen immer wieder ein kleines Einkommen erzielen.
In Kürze werden die Frauen aus den neuen Gruppen jeweils eine Ziege erhalten.

 

Mikrokredite:

Die Frauen aus Rusiga und Shyorongi haben in der letzten Kreditrunde sehr hohe Kredite von bis zu 500 € erhalten. Mit der Rückzahlung sind sie sehr zuverlässig und zahlen immer pünktlich. Einen Großteil des Kredites haben sie schon zurückbezahlt. Das kleine Geschäft von Christine und Leocardi läuft sehr gut und die beiden Frauen erzielen ein regelmäßiges Einkommen durch den Verkauf von Kohle, Tomaten, Seife, etc.

Auch in Butare haben einige Frauen Kredite erhalten und bei den meisten funktioniert es sehr gut. Grace und Christine z.B. kaufen täglich direkt von den Produzenten verschiedene Lebensmittel (Kartoffel, Paprika, Bohnen, etc.), bringen diese zum Markt und verkaufen diese dort an Händler. Anne-Marie produziert weiterhin immer sonntags Sorghum-Bier und hat einen großen Kundenkreis. Andere Frauen betreiben Ackerbau und verdienen durch den Verkauf der Ernte.

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Handarbeitsschule:
In der Handarbeitsschule wurde in den letzten Monaten sehr fleißig genäht. Die Frauen haben ihre beiden großen Aufträge (Einkaufstaschen und Kochhandschuhe) erfolgreich abgeschlossen und werden nun bunte Tiermobile produzieren, die wir in Deutschland dann verkaufen werden.

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Offizielle Registrierung:

Afrodis, unser Koordinator, hat nun das Projekt in Rwanda als lokale Organisation angemeldet. Das bedeutet, dass wir nun auch in Rwanda legal registriert sind und Kwizera Deutschland als Partnerorganisation von Kwizera Rwanda arbeitet. Die Registrierung in Butare (wo der Großteil des Projektes ist), ist bereits abgeschlossen, für die landesweite Registrierung fehlen nur noch ein paar formelle Aktivitäten.

 

Gewinnen für einen guten Zweck....

Einige bekannte aber auch viele neue Gesichter konnten wir bei unserer Tombola beim diesjährigen Stadtfest in Messkirch begrüßen. Petrus ließ uns auch dieses Jahr nicht im Stich. So konnten wir am 15. und 16. Juli bei schönem Wetter vielen Menschen eine große Freude machen. Zahlreiche tolle und sehr hochwertige Preise fanden einen neuen Besitzer und zu jedermanns großen Begeisterung gab es keine Nieten. Wir sind sehr glücklich über die 2670 Euro, welche wir an den zwei Tagen für unser Projekt Kwizera erwirtschaften konnten. Doch diese tolle Tombola (Preise im Gesamtwert über 12000 Euro) wäre ohne unsere zahlreichen Sponsoren nicht möglich gewesen. Wir wollen uns deswegen nochmal herzlich bei allen bedanken, die uns in irgendeiner Art unterstützt haben.
Beim Messkircher Weihnachtsmarkt können die übriggebliebenen ca. 2000 Preise gewonnen werden.

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Update aus Rwanda


Update aus Shyorongi:

Christine und Leocardi haben vor einiger Zeit einen Kredit über 400.000 RWF (etwa 450 €) erhalten. Mit diesem Geld haben sie einen kleinen Laden eröffnet. Mittlerweile haben sie den Kredit zu über 75% zurückbezahlt und das Geschäft läuft sehr gut. Über ihre Einnahmen und Ausgaben führen sie stets Buch, sodass sie immer einen Überblick über ihre Finanzen haben. Auch ihre Schweine entwickeln sich prächtig und die Frauen sind sehr glücklich über ihren Erfolg.

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Update Traumatherapie:

Im Februar startete die dritte Traumatherapie-Gruppe mit der ersten Einheit. Wir wollten 10 Frauen in die Gruppe aufnehmen, doch beim ersten Termin saßen 16 Frauen im Raum. Da alle Frauen darum gebeten haben, teilnehmen zu dürfen, hat Afrodis zusammen mit Charlotte, der Psycholgin, entschieden, alle 16 Frauen in der Gruppe zu behalten. Die ersten Therapieeinheiten waren wieder sehr emotional und anstrengend für alle Beteiligten. Viele der Frauen traumatisierten und konnten nur schwer wieder beruhigt werden. Mittlerweile können fast alle der Frauen über ihre Erlebnisse reden und merken, wie befreiend das auf sie wirkt.
Eine Schwere Zeit war die Memorial-Woche im April zum Gedenken an den Genozid. Während dieser Woche mussten einige Frauen ins Krankenhaus gebracht werden, da sie so schwer traumatisiert waren. Viele wollte ihr Haus nicht verlassen, um nicht permament mit ihrer Geschichte konfrontiert zu werden. Doch Charlotte konnte den Frauen große Unterstützung geben und die Memorial-Woche war für die meisten deutlich erträglicher als in den vergangenen Jahren.


Hier die Aussage einer Frau, was sie während der Memorial-Zeit fühlte:

"Alle aus dem Dorf schauen mich an. Ich fühle Schmerz, ich habe das Gefühl, dass ich wegziehen muss. Ich habe niemanden zum reden, mit dem ich meinen Schmerz teilen kann. Ich bleibe lieber zu Hause. Ich habe Angst vor anderen Menschen. Wenn ich an den Memorial-Gesprächen teilnehme, wenn irgendjemand über Tutsi redet, dann merke ich, dass ich keine Familie mehr habe, niemand mit dem ich sprechen kann. Mein Herz schlägt schneller. Ich kann nur schwer atmen. Ich wünschte, ich könnte mich in meinem Haus einschließen für immer. Wenn ich laufe, fühlt es sich so an, als ob mir jemand folgt.
Einmal wollte ich mein Leben beenden. Ich schluckte viele Tabletten und meine Augen schloßen sich, aber ich starb nicht.

Wenn ich jetzt in der Therapie-Gruppe bin, fühle ich mich wie in einer Familie. Ich habe Menschen, mit denen ich reden kann und bin nicht mehr allein."

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Update aus der Handarbeitsschule:

Aktuell arbeiten die Frauen an zwei Aufträgen, die wir aus Deutschland bekommen haben. Zum einen nähen sie 1000 Stoffbeutel in Zebra-Muster, zum anderen 100 Paar bunte Kochhandschuhe. Die Freude über diese Aufträge ist riesig bei den Frauen und wir bemühen uns weiter, Folgeaufträge für die Handarbeitsschule zu bekommen.

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Afrodis, unser Koordinator, arbeitet momentan daran, das Projekt in Rwanda offiziell zu registrieren. Dann kann er sich darum bemühen, auch innerhalb Rwandas Unterstützung für das Projekt zu bekommen.

 

Zu Besuch in Rwanda

Im Januar waren wir wieder in Rwanda, um die Frauengruppen zu besuchen. In Butare angekommen, besuchten wir als Erstes die neu gegründete Handarbeitsschule. Die Wiedersehensfreude war sehr groß. Momentan werden zehn Frauen von unserer Nählehrerin Affisa im Nähen unterrichtet. Mittlerweile können sie schon verschiedene Dinge wie Taschen, Kochhandschuhe, Kleider, Mobiles, Kinderlätzchen und vieles mehr nähen. Wir haben ihnen gleich eine große Menge an Handarbeiten abgekauft, die wir dann in Deutschland auf den Märkten verkaufen wollen. Ziel ist es, dass wir in Deutschland, aber auch in Rwanda regelmäßige Abnehmer für die Produkte finden.
Die vier Nähmaschinen und zahlreiche Reißverschlüsse und Nähgarne, die wir von großzügigen Spender in Deutschland bekommen haben, wurden mit riesiger Freude entgegen genommen. Nun können noch mehr Frauen gleichzeitig nähen oder sogar neue Frauen in der Nähschule aufgenommen werden. Vielen Dank nochmals an die Spender!!!

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Ein großes Ereignis war das Fest, das wir für alle Projektfrauen organisiert haben. Durch das Fest wollten wir vor allem das Projekt den örtlichen Bürgermeistern vorstellen, da sie für unsere Registrierung in Rwanda eine wichtige Rolle spielen. Wir wollen auch in Rwanda Sponsoren finden, wofür die Registrierung hier im Lande sehr wichtig ist. Das Fest bot auch die Chance, die Projektfrauen aus den verschiedensten Dörfern gleichzeitig zusammen kommen zu lassen, damit ein Erfahrungsaustausch unter den Frauen stattfinden konnte. Auch sollte das Fest die Frauen weiter motivieren, mit Elan und Energie ihre jeweiligen Projekte weiter zu verfolgen.
Zu dem Fest wurden alle Frauen eingeladen, die Mikrokredite bekommen haben, die in der Nähschule unterrichtet werden oder die an der Traumatherapie teilgenommen haben oder aktuell teilnehmen. Außerdem wurden die örtlichen Bürgermeister, die Presse, die Hauptverantwortlichen unserer Partnerorganisation RVCP, die Traumatherapeutin, die Nählehrerin, unser Koordinator Afrodis und Leonard (er stellt uns die Räumlichkeiten für die Nähschule und die Traumatherpie zur Verfügung) eingeladen. So waren insgesamt fast 100 Gäste anwesend. Die Frauen aus Shyorongi und Rusiga nahmen für das Fest sogar eine mehrstündige Anreise in Kauf.

Es wurde ein großer Pavillon errichtet, unter dem alle Frauen ein Schattenplätzchen fanden. An alle wurde Essen und Trinken verteilt und Afrodis, sowie die Verantwortlichen des RVCPs, hielten Ansprachen. Desweiteren stellten sich die einzelnen Projektgruppen vor und erzählten von ihren persönlichen Erfolgen mit ihrem Business. Z.B. erzählte eine der Frauen, die vor zwei Jahren ihren ersten Kredit bekommen hat, dass sie zusammen mit einer anderen Frau ein kleines Kohlegeschäft am Straßenrand eröffnet hat und sie nun genügend Geld verdienen, um davon gut leben zu können. Auch die Frauen der Traumatherapie konnten offen darüber erzählen, wie ihnen die Therapie geholfen hat und sie dadurch wieder mehr Lebensfreude haben. Sie berichteten wie gut es ihnen tut, Teil einer Gruppe zu sein und offen über das Erlebte reden zu können. Frauen der Nähschule zeigten stolz ihre genähten Handarbeiten und erzählten darüber, dass sie nun eine Perspektive haben. Eine Perspektive auf ein Leben, in dem sie und ihre Kinder genügend zu essen haben und sie nicht mehr auf Hilfe anderer angewiesen sind.
Die Frauen ergänzten das Programm mit traditionellen Tänzen und Liedern. Es herrschte eine fröhliche und gelassene Stimmung.  
Als Überraschung hatten wir morgens Vanille- und Schokopudding vorbereitet, welchen die Gäste zum Nachtisch bekamen. Zu unserer großen Überraschung wurden wir von den Frauen reich mit selbstgebastelten und selbstgenähten Handarbeiten beschenkt.
Wir denken, dass uns allen dieses schöne Fest noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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Da wir vorhaben, einen Kurzfilm über das Projekt und die Frauen zu erstellen, besuchten wir einzelne Frauen zu Hause, um Alltagssituationen und Ausschnitte ihrer Geschäftsideen zu filmen. Kathrin und Afrodis wollten eine Frau zu ihrem Acker begleiten. Es stellte sich heraus, dass die Frau weit außerhalb wohnte und der Acker ganz oben auf einem der tausend Hügel lag. Auf dem Weg dorthin fiel auf, dass die gesamte Ernte durch den ausgebliebenen Regen vertrocknet war. Aktuell herrscht in weiten Teilen des Landes große Wasserknappheit und viele Menschen leiden durch die ausgeblieben Ernte an Hunger.

Sehr positv hingegen war der Besuch bei Anne-Marie, die immer Sonntags selbstgebrautes Sorghum-Bier an Nachbarn verkauft. Ihr Wohnzimmer war permant gefüllt mit durstigen Kunden. Auch hat sie von ihrer letzten Reisernte noch eine große Menge an Reis gelagert, sodass ihre Familie genug zu essen hat.

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Die Traumatherapeutin hat nun die zweite Gruppe erfolgreich beendet. Afrodis aber auch die Frauen selbst erzählten uns, welche positive Wirkung die Therapie auf sie hat. Die Traumatherapie war für viele ein Lichtblick und gab ihnen die Hoffnung, mit ihrem Trauma leben zu können. Wir konnten es kaum glauben, als wir eine der Frauen, die ihre acht Kinder und ihren Mann im Völkermord verloren hatte, in der Nähschule antrafen. Lachend und voller Stolz zeigte sie uns, was sie schon alles genäht hat. Auch ist sie für das Verwalten der Finanzen der Nähschule verantwortlich. Kwizera hat ihr mit der Traumatherapie und der Handarbeitsschule wieder eine lebenswerte Zukunft geschenkt, in der sie zusammen mit den anderen Frauen arbeiten, sich austauschen und freuen kann.
Und sie alle wissen, dass sie mit ihren Erlebnissen nicht alleine sind.
Da wir durch den Verkauf der symbolischen Geschenkkarte einige Gelder zusammen bekommen haben, starten wir direkt mit der dritten Traumatherapiegruppe. So haben nun 10 weitere Frauen die Möglichkeit, professionelle Unterstützung in der Bewältigung ihrer Traumata zu bekommen. Damit auch die abgeschlossenen Gruppen weiterhin Unterstützung erfahren, wird es für sie ein Follow-up Programm geben. Das heißt, dass nun weiterhin einmal im Monat ein Treffen mit der Therapeutin stattfinden wird.

Auch die Vergabe der Ziegen zeigte sich bei vielen Frauen als voller Erfolg. Alle Ziegen haben schon Nachwuchs bekommen, was für die Frauen eine große Hilfe ist. So können sie im Falle anstehender Schulgebühren oder anderer Kosten ein Zicklein verkaufen und das Geld dafür nutzen. Doch alle Frauen versuchen, dass ihre Ziegen möglichst viel Nachwuchs bekommen und verkaufen die Kleinen nur, wenn sie eine wichtige Investition haben.

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Die Zeit in Rwanda war für uns sehr emotional und beeindruckend. Die Dankbarkeit, die die Frauen uns entgegengebracht haben, ist mit keinen Worten zu beschreiben. Doch all das wäre ohne die Hilfe, Unterstützung und das Vertrauen vieler großzügiger Spender hier in Deutschland nicht möglich.

Wir wollen an alle, die uns in irgendeiner Form unterstützt haben, diese Dankbarkeit weitergeben!!!

 

 

Spendenkonto

Kwizera e.V.
Konto-Nr.: 7030592600
IBAN: DE45430609677030592600
BIC: GENO DE M 1 GLS
GLS Bank

Weitere Informationen

Kwizera auf betterplace.org

 

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