Jahresrückblick 2025
- Kwizera

- 22. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Das Jahr 2025 war für Kwizera ein Jahr intensiver Arbeit, tiefer Begegnungen und nachhaltiger Wirkung. In unseren Projekten in Ruanda wurde einmal mehr deutlich, wie eng die Lebensrealitäten von Frauen und Kindern miteinander verbunden sind – und wie viel sich verändert, wenn Frauen Gesundheit, Bildung, Einkommen und psychosoziale Unterstützung erhalten. Der Jahresrückblick 2025 zeigt, dass Hilfe zur Selbsthilfe wirkt, wenn sie ganzheitlich gedacht und langfristig umgesetzt wird. Unsere detaillierte Jahresrückblicke findest du hier.
Frauen im Mittelpunkt unserer Arbeit
Kwizera begleitet Frauen, die unter besonders schwierigen Bedingungen leben: viele sind alleinerziehende Mütter, Witwen oder Überlebende von Gewalt, Armut und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Ihre Verantwortung ist groß, denn sie tragen nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Kinder die Hauptlast des Alltags. Unsere Projekte setzen genau hier an – mit dem Ziel, Frauen nachhaltig zu stärken und ihnen zu ermöglichen, Verantwortung aus eigener Kraft wahrzunehmen.
Wenn Frauen stabiler werden, verändert sich das Leben ganzer Familien. Kinder profitieren direkt von gesünderen Müttern, von mehr Einkommen, von emotionaler Sicherheit und von der Möglichkeit, regelmäßig zur Schule zu gehen. Diese enge Verbindung zwischen Frauenförderung und Kinderschutz prägte auch 2025 unsere gesamte Arbeit.
Gesundheit sichern – Leben stabilisieren
Ein zentraler Schwerpunkt im Jahr 2025 war erneut die medizinische Versorgung. Insgesamt konnten für 603 Menschen, darunter 121 Projektfrauen und ihre Familien, Krankenversicherungen abgeschlossen werden. Ohne diese Unterstützung wären viele medizinische Behandlungen unerschwinglich geblieben.
Die Berichte der Frauen zeigen eindrücklich, welche Wirkung diese Hilfe hat: chronische Beschwerden konnten gelindert, schwere Erkrankungen wie Tuberkulose behandelt und neue Lebensqualität gewonnen werden. Gesundheit ist dabei weit mehr als ein medizinischer Zustand – sie ist die Voraussetzung dafür, arbeiten zu können, Kinder zu versorgen und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.
Traumatherapie: Heilung für Mütter, Schutz für Kinder
Neben körperlicher Gesundheit ist die psychische Stabilität ein entscheidender Faktor für ein sicheres Familienleben. Viele Frauen in den Kwizera-Projekten tragen schwere traumatische Erfahrungen aus dem Genozid von 1994, aus jahrelanger Gewalt oder aus Verlust und Ausgrenzung.
Auch 2025 fanden regelmäßig Gruppentherapien mit ausgebildeten Traumatherapeutinnen statt. Die Frauen lernten, mit Flashbacks umzugehen, ihre Geschichte anzunehmen und neue innere Stabilität zu entwickeln. Die positiven Veränderungen wirken weit über die einzelnen Frauen hinaus: Mütter berichten von besseren Beziehungen zu ihren Kindern, weniger Aggression, mehr Geduld und emotionaler Nähe. Traumatherapie bedeutet bei Kwizera immer auch Schutz und Stabilität für Kinder.
Bildung für Kinder: Eine Zukunft jenseits der Armut
Bildung ist einer der wichtigsten Schlüssel, um Armut langfristig zu überwinden. Gleichzeitig ist der Schulbesuch für viele Kinder in Ruanda keine Selbstverständlichkeit. Armut, fehlende Schulmaterialien oder unbezahlte Schulgebühren führen häufig zu Unterbrechungen oder Schulabbrüchen.
Im Schuljahr 2025/2026 unterstützte Kwizera 185 Kinder mit Schulgebühren, Schuluniformen und Lernmaterialien. Darunter sind auch Kinder mit Behinderungen, die besondere Förderung benötigen. Für diese Kinder bedeutet Schulbildung nicht nur Lernen, sondern auch Teilhabe, Struktur und die Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben.
Besonders berührend ist die Entwicklung von Emanuel und Moise, zwei Kindern mit Beeinträchtigung, die dank der Unterstützung von Kwizera regelmäßig dieselbe Schule besuchen können. Die Schule geht individuell auf ihre Bedürfnisse ein und fördert sie entsprechend ihrer Fähigkeiten. Emanuel erhält beispielsweise verstärkt praktischen Unterricht, da ihm theoretische Inhalte schwerfallen. Seine Mutter berichtet, wie glücklich und stolz er ist, seit er lernen darf und in seiner Entwicklung ernst genommen wird.
Diese individuelle Förderung zeigt, wie wichtig es ist, auch Kinder mit Beeinträchtigungen nicht zurückzulassen. Bildung gibt ihnen Struktur, Selbstvertrauen und die Möglichkeit, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken. Für ihre Familien bedeutet der Schulbesuch der Kinder eine enorme Entlastung und neue Hoffnung.
Berufsausbildung: Perspektiven für Jugendliche schaffen
Jugendliche ohne Schulabschluss oder Ausbildung haben es besonders schwer, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Umso wichtiger ist es, jungen Menschen konkrete berufliche Perspektiven zu eröffnen.
Im Jahr 2025 finanzierte Kwizera 15 Jugendlichen eine Berufsausbildung am Don-Bosco-Zentrum in Huye. Die angebotenen Ausbildungen – unter anderem als Schneider:in, Koch/Köchin, Friseur:in oder Mechaniker – verbinden Theorie und Praxis. Mehrere Absolventinnen und Absolventen fanden im Anschluss direkt eine Anstellung und erzielen nun ein eigenes Einkommen. Damit können sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Familien unterstützen und werden zu Vorbildern für andere Jugendliche.
Näh- und Strickausbildungen: Selbstständigkeit für Frauen
Ein besonders prägender Bereich der Kwizera-Arbeit sind die Näh- und Strickausbildungen. Ende 2025 schlossen mehrere Frauen erfolgreich ihre Nähausbildung ab. Sie erhielten eine eigene Nähmaschine – teilweise als Geschenk, teilweise über einen fairen Kredit.
Mit ihren neuen Fähigkeiten konnten die Frauen Kleidung nähen, Aufträge annehmen und ein eigenes Einkommen aufbauen. Gleichzeitig stellte die Näherei Schuluniformen, Pullover und Schulrucksäcke für Kinder her. Diese Kombination schafft gleich mehrere Effekte: Einkommen für Frauen, bessere Ausstattung für Kinder und lokale Wertschöpfung.
Viele Frauen berichten, dass sie durch die Arbeit nicht nur finanziell unabhängiger wurden, sondern auch Selbstvertrauen, Würde und gesellschaftliche Anerkennung zurückgewannen.
Mikrokredite: Kleine Beträge mit großer Wirkung
Auch 2025 spielten Mikrokredite eine wichtige Rolle in der Förderung von Selbstständigkeit. Mit vergleichsweise kleinen Beträgen konnten Frauen eigene Geschäftsideen umsetzen, etwa in der Hühnerzucht oder im lokalen Handel.
Die Einnahmen ermöglichen eine bessere Ernährung, medizinische Versorgung und den regelmäßigen Schulbesuch der Kinder. Gleichzeitig lernen die Frauen, wirtschaftlich zu planen, Verantwortung zu übernehmen und langfristig zu denken. Mikrokredite sind damit ein wirkungsvolles Instrument, um den Kreislauf der Armut zu durchbrechen.
Artemisia- und Landwirtschaftsprojekte
Auch die landwirtschaftlichen Projekte – darunter der Anbau von Artemisia und Pilzen – trugen 2025 zur Einkommenssicherung und Gesundheitsförderung bei. Frauen profitieren sowohl gesundheitlich von Artemisia als auch wirtschaftlich durch Anbau und Verarbeitung. Landwirtschaftliche Projekte stärken zudem die lokale Selbstversorgung und reduzieren Abhängigkeiten.
Motorrad-Projekt: Einkommen für junge Männer
Ergänzend zur Frauenförderung unterstützte Kwizera 2025 auch junge Männer im Rahmen des Motorrad-Projekts. Zwei junge Männer erhielten die Möglichkeit, sich mit einem Motorradtaxi schrittweise selbstständig zu machen. Das Modell eines Mietkaufs ermöglicht Einkommen von Beginn an und fördert Eigenverantwortung. Die jungen Männer können ihre Familien unterstützen und sind Vorbilder für andere Jugendliche in ihrer Gemeinde.
Projektbesuch 2025: Begegnungen, die Mut machen
Ein emotionaler Höhepunkt des Jahres war der Projektbesuch der Kwizera-Gründerin Kathrin, die nach acht Jahren erstmals wieder vor Ort in Ruanda war. Die persönlichen Begegnungen mit Frauen, Kindern, Auszubildenden und dem lokalen Projektteam machten die Wirkung der Arbeit unmittelbar spürbar.
Besonders deutlich wurde: Kwizera schafft nicht nur kurzfristige Hilfe, sondern echte Zukunftsperspektiven. Die Begegnungen, das Vertrauen und das Strahlen der Frauen bestätigten den ganzheitlichen Ansatz der Organisation.
Engagement in Deutschland: Solidarität, die verbindet
Auch in Deutschland war Kwizera 2025 bei zahlreichen Aktionen, Märkten und Spendenveranstaltungen präsent. Kooperationen mit engagierten Unterstützerinnen und Unterstützern, Unternehmen und Initiativen trugen maßgeblich dazu bei, die Projekte in Ruanda zu finanzieren und sichtbar zu machen.
Dieses Engagement zeigt: Nachhaltige Entwicklungsarbeit ist nur gemeinsam möglich – durch Menschen, die Verantwortung übernehmen und Solidarität leben.
Dankbarkeit und Ausblick
Der Jahresrückblick 2025 macht deutlich: Wenn Frauen gestärkt werden, gewinnen Kinder Zukunft. Gesundheit, Traumatherapie, Bildung, Ausbildung, Mikrokredite und Einkommen greifen ineinander und schaffen nachhaltige Veränderung.
Kwizera dankt allen Spenderinnen, Spendern, Partnern und Ehrenamtlichen von Herzen. Ohne diese Unterstützung wäre all das nicht möglich gewesen. Mit Zuversicht und Motivation blickt Kwizera auf das Jahr 2026 – mit dem Ziel, noch mehr Frauen zu stärken, Kinder zu schützen und Perspektiven für die Zukunft zu schaffen.





